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10.07.2021

„Und auf einmal brauchst du ein Spenderherz!“

In den beiden Taschen, die Corinna O. ständig bei sich führt, verbirgt sich der Antrieb für die beiden Pumpen, die das herzchirurgische Team von Prof. Gummert seiner Patientin in zwei großen, mehrstündigen Operationen eingesetzt hat. Gummert: „Das ist die einzige Möglichkeit, um eine mitunter lange Wartezeit auf ein Spenderherz zu überbrücken.“ (Foto: Marcel Mompour).

Am Wochenende bricht eine junge Mutter (34) plötzlich zusammen – und alles ist anders. Im HDZ NRW wartet Corinna O. seit 100 Tagen dringend auf ein neues Herz.

„Nur ein paar Tage zuvor bin ich noch problemlos mehrere Stockwerke hochgerannt“, erinnert sich Corinna O. (34) aus Oldenburg. An einem Samstag im August letzten Jahres geht es ihr dann auf einmal so schlecht, dass sie die Notfallambulanz aufsuchen muss. Noch während das EKG geschrieben wird, bricht sie mit ihrem gerade neun Monate alten Kind im Arm zusammen. Mit dem Rettungswagen wird sie ins nächste Krankenhaus verlegt, vorübergehend an eine Herz-Lungen-Maschine (ECMO) angeschlossen und ins Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, verlegt. Erst im September erfährt sie von dieser lebensrettenden Maßnahme.

Zu diesem Zeitpunkt hatten ihr die Bad Oeynhausener Herzspezialisten bereits ein künstliches Herzunterstützungssystem für die linke Herzkammer implantiert. Ihr eigenes Herz allein war viel zu schwach geworden, um den Körper mit ausreichend Sauerstoff und Blut zu versorgen. Die Hoffnung, dass sich der Herzmuskel mit Hilfe der über Strom angetriebenen Pumpe erholt, erfüllte sich nicht. Als auch die rechte Herzkammer zu versagen droht, bleibt keine andere Wahl und die Herzchirurgen setzen ein zweites Unterstützungssystem ein.

„Ein so akutes Herzversagen in jungem Alter ist selten, kann aber schlimme Folgen haben“, erläutert Oberarzt PD Dr. Henrik Fox, der sich auf der Station B.3.1 des HDZ NRW um Patienten mit künstlichen Herzunterstützungssystemen kümmert. „Im Prinzip kann es aber jeden treffen. Wobei sich die Herzschwäche gerade bei jungen Menschen mit grundsätzlich guter Konstitution oft erst dann bemerkbar macht, wenn es lebensbedrohlich wird.“ Die genauen Ursachen der irreversiblen Herzmuskelschwäche sind auch bei Corinna O. nicht bekannt. Eine besondere Belastung wie die Geburt ihres jüngsten Kindes könnte ein Auslöser gewesen sein.

Knapp fünf Kilo wiegen die beiden Akkutaschen, die für die junge Lehrerin jetzt lebensrettend geworden sind, weil sie die beiden Pumpen in ihrem Körper über eine Kabelverbindung mit Energie versorgen. Mit diesem System konnte sie auch einige Zeit wieder zu Hause bei ihrer Familie verbringen. Seit 100 Tagen wartet sie jetzt mit höchster Dringlichkeitsstufe in der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie auf ein Spenderherz.

„Wann das Angebot von Eurotransplant kommt, das kann leider niemand sagen“, erläutert Klinikdirektor Prof. Dr. Jan Gummert. „In Deutschland ist man seit Jahren auf Organspenden aus dem Ausland angewiesen, weil der Bedarf an Spenderorganen deutlich höher ist als Organe zur Verfügung stehen.“ 134 Patienten aus seiner Klinik sowie sechs Patienten aus dem Kinderherzzentrum und Zentrum für angeborene Herzfehler unter der Leitung von Prof. Dr. Stephan Schubert und Dr. Eugen Sandica warten derzeit auf ein Spenderherz. Mit etwa 70 bis 80 Transplantationen jährlich ist das HDZ NRW das größte deutsche Herztransplantationszentrum.

„Das Schlimmste für mich ist es, von meinen drei Kindern getrennt zu sein, sie nur online sehen zu können“, sagt Corinna O., die jeden Tag mit dem Herzteam der Ärzte, Pflege- und Fachkräfte auf ihrer Station darum kämpft, die Wartezeit auf ein Spenderherz zu überbrücken. „Niemals hätte ich mir vorstellen können, einmal so krank zu werden. Ich kann nur jeden dazu auffordern, sich mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen und sachlich darüber zu informieren.“




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