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18.10.2022

Ein Plus für das Studium, ein Minus für die Politik

Bekenntnis zum primär qualifizierenden Studiengang Pflege: (v.l.) Erika Reiswich, Prof. Dr. Änne-Dörte Lattek, Cara Römer, Christian Siegling und Meeri Habigtsberg (Foto: Marcel Mompour).

Experten fordern Konzepte für zunehmend akademisch geschultes Pflegepersonal
HDZ NRW geht „in Vorleistung“ bei der Vergütung der praxisintegriert Studierenden

„Es kann nicht sein, dass der akademische Nachwuchs vor allem während der Praxisphasen des Pflegestudiums finanziell auf sich gestellt ist“, sagt Christian Siegling, Pflegedirektor am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen. Daher schaffe das HDZ NRW nunmehr seit Beginn des Sommersemesters Fakten und trete als erstes Klinikum in OWL mit einem Vergütungsangebot in Vorleistung – nicht ohne jedoch die Politik aus der Verantwortung zu entlassen. „Es ist höchste Zeit, hier die dringend notwendigen Rahmenbedingungen für verbindliche und einheitliche Standards in der deutschen Pflegelandschaft zu schaffen, die in anderen europäischen Ländern längst selbstverständlich sind. Das sind Aufgaben, die von den Krankenhäusern allein nicht zu lösen sind.“

„Ohne tiefgreifende politische Impulse wird die pflegerische Versorgung in Zukunft noch stärker beeinträchtigt werden“, bekräftigt Änne-Dörte Latteck, Professorin für Pflegewissenschaft am Fachbereich Gesundheit der Fachhochschule Bielefeld. Und stimmt damit wie Siegling mit den Prognosen überein, die anlässlich des jüngsten Deutschen Pflegetages in Berlin geäußert wurden. Es reiche eben leider nicht, die Notwendigkeit zunehmend wissenschaftlich ausgebildeter Pflegefachkräfte angesichts zunehmend komplexer werdender Versorgungsstrukturen anzuerkennen, ohne aktiv die Voraussetzungen für bessere Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen, entsprechende Verdienst- und Karrierepositionen in der Pflege zu schaffen, betonen beide.

Praxisorientierter Studiengang
Bei der konkreten studentischen Ausbildung vor Ort sei umso mehr die enge Zusammenarbeit zwischen der Fachhochschule Bielefeld und dem HDZ NRW zu begrüßen. Das Klinikum verpflichtet sich im Rahmen dieser Premiumpartnerschaft der Förderung des akademischen Nachwuchses und entwickelt zukunftsweisende Konzepte für pflegerische Aufgaben und Verantwortlichkeiten in der klinischen Praxis.

Der achtsemestrige Vollzeitstudiengang an der Fachhochschule Bielefeld ist interessant für künftige Abiturienten und Fachabiturienten. Cara Römer (23) und Meeri Habigtsberg (21) zählten zu den ersten, die sich für das „primär-qualifizierende Pflegestudium“ eingeschrieben und zusätzlich das Angebot einer Anstellung während der Praxisphasen genutzt haben. „Die anerkannte Ausbildung und zugleich den akademischen Abschluss nach acht Semestern in der Tasche zu haben, war schon ein großer Anreiz“, sagen beide. Sie studieren jetzt im fünften Semester. Eine Verpflichtung, nach erfolgreichem Abschluss beim HDZ NRW zu bleiben, besteht nicht. Das praxisorientierte Studium gefällt ihnen gut. Beide möchten sich aber noch nicht festlegen, welche Fachbereiche für ihr Berufsleben nach Studium und Ausbildung interessant werden könnten. „Die Pflege ist so vielfältig, dass wir noch ausgiebig Erfahrungen sammeln möchten“, sagt Meeri Habigtsberg.

Erika Reiswich (21) hat schon im ambulanten Pflegedienst gearbeitet und wird auch die stationäre Langzeitpflege noch kennenlernen. Zurzeit studiert sie im dritten Semester. Für die Fachhochschule hat sie an der Produktion eines Videos mitgewirkt, mit dem man weitere Studierende gewinnen möchte. „Spätestens in der Pandemie sollte klar geworden sein, wie wichtig die Pflegeberufe sind. Der Imagewandel hat ja schon begonnen, und der Akademisierungsgrad in der Pflege wird langsam aber sicher steigen“, so Reiswich.

Dazu wünschen sich Professorin Änne-Dörte Latteck und Christian Siegling allerdings mehr Taten als Worte von der Politik: „Der Bedarf an hochschulisch und zugleich praktisch ausgebildetem Personal, das in der Lage ist, zunehmend komplexe Pflegesituationen nicht nur zu managen, sondern auch wissenschaftlich zu bewerten, ist überall hoch.“ Bis zu 20 Prozent des Pflegepersonals sollte die Quote der Beschäftigten mit Bachelorabschluss betragen, so lautete die Empfehlung des Wissenschaftsrates schon 2012. „Davon sind deutsche Kliniken heute allerdings noch weit, weit entfernt“, so Latteck.

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